Barrierefreies Wohnen

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Barrierefreies Wohnen 2019-06-14T17:03:18+00:00

Wohnungsanpassungen

Wohnungsanpassungen  ermöglichen es älteren Menschen und Menschen mit Handicap häufig, in ihrer Wohnung und ihrem Wohnumfeld bleiben zu können. Sie unterstützen selbstbestimmtes Wohnen und Leben im Alter.

Worauf kommt an bei einer altersgerechten Wohnung?

Altersgerecht umbauen ist keine Frage des Alters! Ein altersgerechter Wohnraum sollte weitgehend barrierefrei gestaltet sein. Das bedeutet, dass die Wohnung

  • ohne Stufen und Schwellen begehbar und auch bei Einschränkungen in der Beweglichkeit ohne Hindernisse zugänglich ist,
  • eine bodengleiche Dusche oder ein ohne Schwierigkeiten nutzbares Bad hat, damit Sie selbstständig Ihre Körperpflege übernehmen können,
  • breite Türen und großzügige Bewegungsflächen im Bad, Flur und in der Küche hat, damit Sie sie gegebenenfalls auch mit einem Rollator oder Rollstuhl ohne Probleme nutzen können,
  • eine gute technische Ausstattung und Beleuchtung hat, damit Ihre Sicherheit nicht gefährdet ist,
  • bei Bedarf mit verschiedenen Hilfsmitteln ausgestattet ist (zum Beispiel Haltegriffe, Sitz- und Aufstehhilfe) und Sie sich dadurch selbstständig bewegen können.

Barrierefreies Bauen

Was ist Barrierefreiheit?

Barrieren können sinnvoll sein und Schutz bieten, etwa dann, wenn ein Balkongeländer Abstürze verhindert, oder die Barriere einer roten Ampel Sicherheit im Verkehr bietet.

In der Regel schränken Barrieren aber die Selbstständigkeit, die Beweglichkeit und die Freiheit im Alltag ein. Mit einer barrierefreien oder zumindest barrierearmen Wohnung ist ein Zuhause ohne Hindernisse und Stolperfallen gemeint. Gerade Treppenstufen, Türschwellen und zu schmale Türen können im Alter zu beinahe unüberwindbaren Barrieren werden.

Vermeiden von Barrieren, also von Hindernissen, die eine uneingeschränkte Nutzung des gesamten Wohnraums möglich machen, bedeutet mehr Lebensqualität und Selbstständigkeit für den Bewohner.

Eine bedarfsgerechte, barrierefreie Wohnung erhöht nicht nur den Komfort, sondern trägt auch dazu bei, Verletzungen durch Stürze zu vermeiden.

Welche Merkmale sollte barrierefreies Wohnen erfüllen?

Eine barrierefreie Wohnung und die Wohnungsanpassung tragen dazu bei, selbst bestimmt und lange zu Hause wohnen bleiben zu können. Für die Planung und Gestaltung von barrierefreien Wohnraum werden die Anforderungen der DIN 18040-2 hinterlegt.
Die Bewegungsflächen betragen 120 cm x120 cm beim Agieren mit Rollator/Gehhilfe und sie betragen 150 cm x 150 cm für Rollstuhlfahrer. In den Plänen sind die Flächen für den Rollstuhlfahrer mit einem (R) gekennzeichnet.

Allgemeine Merkmale für den Schlaf-Wohn-Bereich

  • Fenster ab 60 cm Höhe mit einem freien Blick nach außen (Absturzsicherung beachten)
  • lichte Durchgangsbreite bei Türen mind. 85 cm, für Rollstuhlfahrer (R) 90 cm
  • Griffiger, nicht spiegelnder Bodenbelag, fest verlegt
  • Schwellenlos
  • Bedienungselemente, auch Türgriffe, auf 85 cm Höhe
  • Bedienhöhen von Drückern und Griffen max. 105 cm
  • Die Bewegungsflächen an Türen sollte 120 cm x 150 cm und für (R) 150 x 150 cm betragen

Im Schlafzimmer

  • Das Bett soll bei Bedarf von drei Seiten zugänglich sein.
  • Bewegungsflächen großzügig mind. 90 cm vor Möbel und als Rangierfläche 120 cm x 120 cm, für (R) mindestens 150 cm x 150 cm
  • für die Nutzung von Möbeln mit aufwendigen Bewegungsabläufen sind 120 cm entlang der Einstiegsseite des Bettes vorzusehen

Im Wohnzimmer

  • Wichtig: Ausreichende Bewegungsflächen vor den Einrichtungsgegenständen
  • Bewegungsfläche vor Schrankwand und Sitzgruppe 90 cm, Rangierfläche mind. 1 x im Raum 120 cm x 120 cm und entlang der Schränke, bei (R) 150 cm x 150cm
  • funktional, gemütlich, hell
  • die Beleuchtung sollte evtl. zu dimmen und möglichst schattenfrei sein
  • Lichtschalter und Drückerhöhen auf 85 cm bei Rollstuhlfahrern (R)
  • ggf. kontrastreiche Wand-Bodengestaltung bei Seheinschränkungen oder elektrischen technischen Assistenzsystemen, z.B. Türgongverstärker bei Höreinschränkungen

In der Küche

  • Bewegungsfläche vor Küchenzeile und Esstisch 90 cm, Rangierfläche mind. 1 x im Raum 120 cm x 120 cm und entlang der Küchenzeile, bei (R) 150 cm x 150cm
  • unterfahrbare Bereiche (Herd, Arbeitsfläche und Spüle)
  • Arbeitsflächen-Höhe nach Bedarf anpassbar, ggf. mit höhenverstellbarer Arbeitsfläche
  • eingreifbarer Einhebelmischer mit Temperaturbegrenzung
  • Vollauszüge und Schubkästen statt Schranktüren
  • oft benötigte Gegenstände in Greifhöhe platzieren
  • Backofen, Kühlschrank und Spülmaschine auf mittlerer Höhe
  • Übereck-Anordnung von Herdplatte und Spüle
  • Fenstergriff vom Rollstuhl aus erreichbar

Im Bad und in der Dusche

  • Türdurchgang 90 cm (R) / 80 cm
  • Tür nach außen öffnend oder Schiebetür
  • Schloss im Notfall von außen zu öffnen
  • Waschbecken mit der Möglichkeit der Unterfahrbarkeit (Flaches Becken, Siphon unter Putz)
  • Einhebelmischer mit gut eingreifbarem Griff und Temperaturbegrenzer
  • Spiegel bis über Waschbeckenoberkante oder Kippspiegel
  • Ebenerdige Dusche, leicht austauschbar mit Badewanne (und umgekehrt)
  • Haltesysteme / Haltegriffe, wo erforderlich (Verstärkungen in den Wänden vorsehen)
  • Gute Erkennbarkeit durch farbliche Absetzungen der Bereiche und Geräte
  • Ablageflächen
  • Gute Erreichbarkeit- und Bedienbarkeit der Toilettenspülung
  • Sitzhöhe WC 48 cm

Der Flur/ die Diele

  • die Flurbreite sollte 120 cm betragen
  • Sitzmöglichkeit zum Aus- und Ankleiden, sowie Garderobenteil
  • heller Flur mit guter Beleuchtung
  • lange Flure mit Handläufen versehen (wenn möglich beidseitig oder bei Bedarf beleuchtet)
  • keine losen Teppiche (sind Stolperfallen)
  • rutschhemmender, leicht zu reinigender Belag, bei (R) rutschhemmend- und rollstuhlgeeignet

Der Eingang und die Haustüre

Die Wohnung sowie andere Anlagen und Einrichtungen müssen durch einen Eingang mit einer lichten Durchgangsbreite von mindestens 90 cm stufenlos und schwellenlos erreichbar sein.

  • Türgriffe und die Türschloss müssen ungefähr 85 cm hoch sein.
  • möglichst überdacht
  • möglichst ebenerdiger Zugang / Rampe mit max. 6% Steigung
  • mit Geländer, wenn notwendig beidseitig
  • Beleuchtung im gesamten Eingangsbereich ausreichend beleuchtet und deutlich erkennbar (Geeignet ist hier eine Wegbeleuchtung, die nach unten scheint und nach oben abgedunkelt ist)
  • Fußmatte im Boden eingelassen (sonst besteht Sturzgefahr)
  • große beleuchtete Hausnummer und eine kontrastreiche, gut lesbare Klingelanlage
  • Türsprechanlage mit Kamera und elektrischen Türöffner
  • Ein kraftbetätigter Türantrieb (durch Knopfdruck) für Bewohner, die über eine geringere Greifkraft verfügen, ist zu empfehlen
  • Die Eingangstür sollte über einen Weitwinkelspion verfügen (Bei mehreren Nutzern empfiehlt es sich zwei Spione zu montieren: bei 85 und 140 cm Höhe)
  • Türklingel sowie alle anderen Bedienungselemente sollten in einer Höhe von 85 cm angebracht sein (Es ist zu empfehlen, die Türklingel mit einer Freisprechanlage zu kombinieren)
  • Bodenhinweise: Eine sichere Orientierung für Menschen mit sensorischen Einschränkungen ist möglich durch visuell kontrastreiche Gestaltung und taktil erfassbare unterschiedliche Bodenstrukturen (Bodenindikatoren) oder Kantensteine als Wegbegrenzung und/oder mittels akustischer bzw. elektronischer Informationen.

Die Terrasse und der Balkon

  • Schwellenfreier Übergang bei der Balkontüre oder Einbau einer barrierefreien Türschwelle
  • Durchfahrtslicht bei der Balkontüre mindestens 85 cm
  • es ist ein rutschfester, durchgängiger Bodenbelag zu verwenden – Lattenroste sind nicht geeignet
  • möglichst ebenerdiger Zugang vom Garten zur Terrasse
  • möglichst überdachter Bereich
  • Terrassenfläche empfohlen ca. 5 m², aber auch hier muss eine Bewegungsfläche von 1,50 m x 1,50 m zur Verfügung stehen
  • Balkonbrüstung ab 60 cm Höhe durchsichtig gestalten (Dabei ist auf eine Absturzsicherung zu achten, die eine Höhe von 90 cm bis 110 cm vorgibt)
  • empfohlen werden zudem eine Reihe von Zusatzausstattungen, wie:
    • leicht bedienbare Sonnenrollos
    • verstellbare Windschutzwände
    • Wärmestrahler
    • ausreichende Beleuchtung
    • das Vorhandensein von wetterfesten Steckdosen.

Fachstelle Barrierefreiheit der Bayer. Architektenkammer

Die Bayerische Architektenkammer berät in der Fachstelle Barrierefreiheit generationsübergreifend alle Interessenten, Betroffene oder Nutzer, die sich mit dem Thema „Barrierefreiheit“ im Bereich „Bauen, Umbauen, Erwerben oder Umnutzung von Häusern und Wohnungen“ planerisch und gestalterisch auseinandersetzen oder beschäftigen.

Behindertengerecht, altengerecht, barrierefrei?

„Die verbindliche Bezeichnung ist „barrierefrei“.
Der Begriff wird in der Bayerische Bauordnung wie folgt definiert:

Barrierefrei sind bauliche Anlagen, soweit sie für Menschen mit Behinderung in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfen zugänglich und nutzbar sind.
Das bedeutet, es gelten weit höhere Anforderungen, als die vielfach vorhandene Vorstellung, es genüge ein stufenloser
Zugang für Personen mit Rollstuhl.
Auch Personen mit Seh- oder Hörschwächen, mit motorischen Einschränkungen, sowie groß- oder kleinwüchsige Menschen sollen sich ohne Einschränkungen bewegen können. Personen, die Probleme mit der Sprache oder kognitive Einschränkungen haben, sollen sich ebenfalls zurechtfinden. Dabei helfen Symbole und Piktogramme. Zugleich profitieren Menschen mit kleinen Kindern, Kinderwagen oder Gepäck von barrierefreien Zugängen.
Ziel sollte sein, dass barrierefreies Bauen zum Standard wird, der allen Menschen die Nutzung von Gebäuden erleichtert, unabhängig von der persönlichen Verfassung und Lebenssituation.“

Zitat aus Handbuch der Stadt München – Barrierefrei Bauen/Baurechtliche Anforderungen 2016

Mehr auf der Webseite der Fachstelle Barrierefreiheit.

Die kostenfreien Beratungen zur Barrierefreiheit kann jeder in Anspruch nehmen.
Die Fachstelle Barrierefreiheit berät bayernweit in allen Regionen und Bezirken.
Die Beratungsstellen können Sie immer dem aktuellen Flyer entnehmen:

Möchten Sie einen kostenfreien Beratungstermin an einem der Beratungsstandorte wahrnehmen?
Dann wenden Sie sich einfach telefonisch, per Mail oder über das Kontaktformular an die Fachstelle.

Beratungstelefon:
+49 089-139880-80
info@byak-barrierefreiheit.de

Sie können dort auch Informationen zu Fördermöglichkeiten abrufen. Die Liste der aktuellen Förderungen können Sie unter Förderung einsehen.

Der Landkreis Tirschenreuth kann in Kooperation mit der Beratungsstelle Barrierefreiheit der Bayerischen Architektenkammer zusätzlich Termine in der Musterwohnung im Rosenweg 10, 95643 Tirschenreuth anbieten.
Diese Termine entnehmen Sie bitte dem „Veranstaltungskalender“ der Webseite oder dem PDF „Außensprechtage der BYAK“. Sie werden 1x pro Quartal angeboten. Es ist eine Terminabsprache mit der kommunalen Wohnberatungsstelle dazu notwendig.

Din-Normen

Barrierefreies Bauen – barrierefreie Wohnungen

DIN 18040-Teil 2